Warum ich Detektivarbeit in Fantasy schreibe
Mich hat schon immer der Gedanke fasziniert, Logik in eine Fantasiewelt einzubringen, in der Magie existiert und das Unerwartete jederzeit möglich scheint. Viele Liebhaber fantastischer Literatur kennen das: Man begleitet seine Helden durch ausweglose Situationen. Und plötzlich rettet ein Zauberspruch, ein unerwartetes Wesen oder eine bislang unbekannte Fähigkeit alles im letzten Moment.
Das ist ein starkes Erlebnis, keine Frage. Doch oft bleibt ein leises Unbehagen zurück. Warum erst jetzt? Warum gerade so? Solche Momente hinterlassen Lücken, die sich nicht immer schließen lassen. Mich haben diese Brüche in der inneren Logik einer Geschichte stets gestört. Häufig habe ich versucht, sie mir selbst schlüssig zu erklären, um mit dem Gelesenen oder Gesehenen wieder im Reinen zu sein. Manchmal gelingt das. Oft genug aber nicht – und man gewöhnt sich daran, nimmt es hin, um weiterlesen und weiter eintauchen zu können.
Genau hier liegt der Ursprung meines Ansatzes. Ich wollte einen ernstzunehmenden Ermittler in eine Fantasiewelt setzen. Eine Figur, die nicht durch plötzlich erwachende Kräfte oder verborgene Zauber siegt, sondern durch Beobachtung, Schlussfolgerung und nachvollziehbare Entscheidungen. Einen Ermittler, der seine Leser an seinen Gedanken teilhaben lässt, sodass der Weg zur Lösung sichtbar bleibt.
Wenn ein solcher Ermittler zudem auf Werkzeuge zurückgreifen kann, liegt es nahe, ihn in einer Welt zu verorten, die sich im Wandel befindet. So entstand Midora – eine Welt am Beginn ihrer Steampunk-Ära.
Technik beginnt dort, mit loser Magie und der uralten Runentechnik der Zwerge zu konkurrieren, sich stellenweise aber auch mit ihr zu verbinden. Altes Wissen und neue Möglichkeiten geraten aneinander, Fortschritt trifft auf gewachsene Strukturen.
Magie lässt sich nicht einfach erklären oder in bekannte Gesetze pressen. Auf Midora ist sie dennoch an eine innere Logik gebunden, an Flüsse von Energie, die Folgen haben und Spuren erzwingen. Sie ist mächtig, aber unzuverlässig.
Ähnlich verhält es sich mit der Runentechnik der Zwerge. Uraltes Wissen, um ein Vielfaches stabiler als lose Magie, aber keineswegs harmlos. Runen fordern Opferbereitschaft, Disziplin und einen Preis, der nicht jeder bereit ist zu zahlen. Kein Runenschmied bleibt unversehrt, und nicht jeder überlebt die Rituale, die dieses Wissen erst möglich machen.
In einer Welt des Umbruchs bleiben Konflikte selten folgenlos. Manche müssen untersucht werden, damit Midora nicht an ihnen zerbricht.